So, dies ist der erste Blogeintrag, den ich auf Anfrage schreibe. Wieder einmal eine Premiere! :)

Wie die Überschrift schon sehr deutlich klar gemacht haben sollte, wird es sich in dem folgenden Eintrag um die Computersucht drehen.

Die Computersucht ist gekennzeichnet durch das permanente Nutzen des Computers. Das Essen, Schlafen, die Körperhygiene, soziale Kontakte und Schule oder Arbeit werden gefährlich vernachlässigt. Nichts ist mehr so wichtig wie der Computer. Gegessen wird nur, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet und selbst dann wird dabei so viel Zeit wie möglich eingespart. Konsequenz daraus ist, dass es zu einer sehr ungesunden, unregelmäßigen Ernährung kommt. Zusätzlich will man keine Zeit durch Schlafen verschwenden. Die Körperhygiene lässt zu wünschen übrig, da der Gang ins Bad Zeit kostet, die auch für den Computer genutzt werden könnte. Freunde werden weggeschickt, weil man mit ihnen keinen Spaß mehr haben kann, sie langweilig und nicht so aufregend, spannend und abwechslungsreich sind, wie das, was im Computer alles vor sich geht. Mädchen/Frauen beziehungsweise Jungs/Männern der Realität sind nicht interessant genug, um sie in sein Leben zu lassen und Unternehmungen zu machen. Die Schule/Arbeit wird nebensächlich, erscheint unwichtig und sinnlos. Alles was für den Süchtigen zählt, ist das Gerät vor ihm und das, was er damit anstellen kann und welche Welt sich ihm dort offenbart.

All diese Merkmale führen uns zu dem Bild eines dicken, stinkenden, unrasierten Mannes, der mit tiefen Augenringen und Mundgeruch im düsteren Keller hockt, Pizza in sich stopft, sich Bilder von halbnackten Frauen ansieht und von Hartz IV lebt. Es mag sein, dass dieser Mann irgendwo wirklich existiert, doch ist die Computersucht leider nicht so leicht an diesen Kriterien erkennbar. Die Sucht muss nicht bei jedem so offensichtlich sein und sich an lediglich einem Beispiel zu orientieren, ist bekanntlich sowieso nicht die beste Lösung.

Die Computersucht kann sich auf verschiedene Arten zeigen.

Was mir dazu als erstes einfällt, und was am besten zu unserem Klischee-Süchtigen Mann oben passt, sind Computerspiele wie zum Beispiel “World of Warcraft”. Das Faszinierende an Computerspielen ist schnell zu finden: Man erschafft sich seine eigene Welt, ist Herr über alles, was geschieht. Wer nicht nur allein für sich sondern online spielt, kann dann schon den Drang entwickeln, der beste sein zu müssen, in der Rangliste ganz oben zu stehen und die Bereitschaft empfinden dafür alles andere aufzuopfern. Jedes Level, das man aufsteigt, ist ein kleiner Erfolg, mit dem man seinem Traum ein Stückchen näher kommt. Wenn man es einmal so weit schaffen sollte, dass man einer der Spieler mit den meisten Punkten ist, wird man von den anderen Spielern bewundert, beneidet und fast schon wie ein Gott behandelt. Dies zu erreichen erscheint einem Süchtigen dann wichtiger als Essen, Schlafen, Duschen, Freunde und Schule oder Beruf.

Doch man kann auch abhängig vom Chatten, von Cybersex oder von Glücksspielen werden. Alle diese Beispiele führen zur Isolation von der Außenwelt und den restlichen, oben genannten Merkmalen der Computersucht.

Besonders Jugendliche laufen schnell Gefahr, sich in der Computerwelt zu verkriechen. Bei ihnen spielt gerade alles verrückt, sie sind genervt von allem und jedem, wollen einfach ihre Ruhe, wissen nicht, wer ihre wahren Freunde sein sollen, haben Angst, einen Jungen oder ein Mädchen anzusprechen oder werden aus irgendwelchen Gründen von Gleichaltrigen ausgegrenzt. Die Computersucht zu erkennen, kann somit ein wichtiger Schritt in die Normalität zurück sein.

So ernstzunehmend das Thema ist, fürchte ich, dass es einige überreagierende Eltern gibt. Versteht mich nicht falsch, es zeigt Verantwortung und auch Liebe zum Kind, wenn die Eltern das Problem frühzeitig erkennen und es ausschalten wollen. Doch es ist anzumerken, dass sie oft noch aus einer Zeit kommen, in der der Computer und das Internet noch eine komplett andere beziehungsweise gar keine Rolle gespielt haben. Es ist normal, dass Neues, mit dem man sich nicht oder nur bedingt auskennt, als Bedrohung wahrgenommen wird – besonders, wenn es sich um die eigenen Kinder handelt. Doch noch nie waren der Computer und das Internet so präsent wie jetzt und das verändert auch unsere Gesellschaft und unsere Verhaltensweisen. Ob diese Entwicklung nun “gut” oder “schlecht” für uns Menschen ist, darüber kann man sich streiten – und das machen genug Menschen, würde ich vermuten. Doch es ist nun einmal Fakt, dass eine gewisse Nutzung mittlerweile einfach dazugehört. Wer nicht auf Facebook angemeldet ist, wird schräg angeschaut und wessen Eltern über eine Kindersicherung die Onlinezeit stark ein- oder sogar zeitlich beschränken, wird ausgelacht.

Auch gibt es Menschen, die sich einfach für den Computer und das Internet interessieren, ein wahnsinniges Verständnis haben für die Technik und Methoden, die dahinter stehen. Während die einen sich mit Kameras und Fotografie beschäftigen, studieren die anderen den Computer und das Internet.

Auch glaube ich, dass sich nicht wenige Menschen versuchen, sich durch den Computer ein bisschen vom alltäglichen Stress abzugrenzen. Man kann Anekdoten loswerden und so Erlebnisse verarbeiten, ohne einer bestimmten Person eine komplette Geschichte erzählen zu müssen. Man kann sich aus dem Familiengeschehen zurückziehen, von dem bekanntlich beinahe jeder Jugendliche genervt ist. Und man kann sich etwas widmen, das nicht meckert, wenn die romantische Ader an diesem Tag zu wünschen übrig lässt, wie es die Freundin aber garantiert getan hätte.

Eine Computersucht ist eine gefährliche Sache. Allerdings muss nicht jeder, der gerne und viel Zeit vor dem PC verbringt, auch gleich süchtig sein. Vielleicht braucht er einfach Zeit für sich, will seine Ruhe, braucht Ablenkung oder hat die Schnauze voll von der öden Familie, den untereinander streitenden Freunden oder der maulenden Freundin.